Koordiniert durch Kurven
Kurven zu fliegen ist viel mehr, als die Ruder in die gewünschte Richtung zu bewegen und sich über einen neuen Kurs zu freuen. Es erfordert Aufmerksamkeit und ein Gefühl für das Flugzeug. In diesem Tutorial lernst du die Grundlagen, um Kurven sicher und sauber zu fliegen. Beim Kurvenflug ist es entscheidend, Querruder, Seitenruder und Höhenruder gleichzeitig zu koordinieren. Nur wenn alle drei Ruder gemeinsam und abgestimmt eingesetzt werden, entsteht eine saubere, stabile Kurve.
Gehen wir die Sache wieder einfach an und versuchen, eine Standardkurve in der Cessna mit einer Neigung von ca. 20 Grad zu fliegen. Du beginnst mit einem Querruderausschlag links, um das Flugzeug um die Längsachse zu rollen und in eine Neigung nach links zu bringen. Dafür schlägt das linke Querruder nach oben und das rechte nach unten aus. Wie wir bereits gelernt haben, hängt der induzierte Widerstand direkt vom Auftrieb ab.
Durch den Querruderausschlag nach links erhöhst du den lokalen Widerstand an der rechten Tragfläche und verringerst ihn an der linken. Dieser Unterschied erzeugt nun ein Gieren, aber leider entgegengesetzt zu unserer Absicht, eine Kurve nach links fliegen zu wollen. Um dieses sogenannte negative Wenderollmoment auszugleichen, musst du nun das Seitenruder links treten. Nur so kannst du die Nase in die Kurve hineinsteuern. Genau genommen musst du das Seitenruder gleichzeitig koordiniert mit dem Querruder geben – und nicht erst danach.
Unmittelbar nach Querruder und Seitenruder ist jetzt das Höhenruder an der Reihe. Für den Anfang reicht es aus, einmal den Horizont zu beobachten. Nach dem Einleiten der Kurve wirst du langsam an Höhe verlieren. Versuche mit dem Höhenruder jetzt, den natürlichen Horizont auf gleicher Höhe zu halten wie beim Geradeausflug vor dem Einleiten der Kurve. Versuche jetzt, diesen Zustand zu halten. Im Idealfall hältst du die gleiche Neigung (Bank Angle), Fahrt und Höhe, und der natürliche Horizont ist immer auf gleicher Höhe zu sehen.
Für die Kontrolle dieses Zustands findest du sogar ein Instrument an Bord deiner Cessna, den Turn Coordinator bzw. Wendezeiger. Die Kugel in dem gebogenen Glasröhrchen zeigt dir an, ob gerade seitliche Beschleunigungen auftreten. Sie ist beim Übergang in den Kurvenflug genauso wichtig wie im stationären Kurvenflug. Ist die Kurve korrekt mit Querruder und Seitenruder abgestimmt, wirkt keine seitliche Beschleunigung auf das Flugzeug, und die Kugel bleibt mittig zwischen den Markierungen.
Jetzt aber wieder raus aus dem Kreisel
Das Ausleiten einer Kurve zurück in den unbeschleunigten Horizontalflug beginnt aus einem koordinierten Kurvenzustand mit konstanter Querlage, konstanter Geschwindigkeit und konstanter Höhe. In diesem Zustand ist der Auftrieb größer, als er für den Geradeausflug benötigt wird. Das wirst du gleich beim Ausleiten der Kurve merken.
Um die Kurve auszuleiten, gib zunächst entgegengesetztes Querruder, um eine Rollbewegung zurück zur Flügelwaagerechten einzuleiten. Entsprechend der geringeren Neigung verringert sich die Kurvenrate. Sobald die gewünschte Null-Querlage erreicht ist, werden die Querruder wieder neutral gestellt.
Während dieser Rollbewegung tritt leider erneut das negative Wenderollmoment auf. Um ein sauberes, koordiniertes Ausleiten ohne Schieben zu gewährleisten, wirst du daher erneut Seitenruder in Rollrichtung geben. Die Kugel im Wendeanzeiger bleibt erneut zentriert, die Längsachse des Flugzeugs folgt der Flugbahn. Parallel dazu muss das Höhenruder gesteuert werden.
Im stationären Kurvenflug war ein erhöhter Gesamtauftrieb erforderlich, der beim Zurückrollen in die Normalfluglage zu einem Steigen führen würde. Deshalb musst du jetzt auch den Höhenruderausschlag langsam wieder reduzieren. Der Anstellwinkel und damit der Gesamtauftrieb werden so weit verringert, bis du wieder den Horizontalflug mit konstanter Geschwindigkeit in gleicher Höhe erreicht hast.